00:10
Hören Sie jetzt Charlies Himmelfahrt. Kriminalhörspiel von Sabine Bohnen und Bernd Breitbach.
00:18
Schraubenschlüssel.
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Ja.
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Stemmeisen? Ja. Taschenlampe.
00:31
Wieso Taschenlampe?
00:32
Gib schon her, wir haben nicht die ganze Nacht Zeit.
00:34
Du hast nichts von einer Taschenlampe gesagt, Eddie.
00:37
Haben wir eine oder nicht? Ich dachte, nein. Mein Gott, Neumann, wie oft haben wir das durchgesprochen? Es ist Nacht. Wie sollen wir hier was finden?
00:47
Jetzt beruhige dich, Eddie.
00:48
Es ist immer dasselbe mit dem polnischen Wodka oder die Sache mit den Gurken. Es war genau dasselbe. 50 Gurkenfässer auf der A2 und kein Laster. Und die ganze Brühe in Gisela's Taunus. War das peinlich. Für was?
01:03
Wir müssen hier verschwinden. Außerdem war das anders damals. Die Fässer waren undicht. Und das mit dem Laster war auch nicht meine Schuld. Küsel kann das bezeugen. Küsel. Hier. Hier sind Feuerzeuge. Und die Kasse...
01:16
Siehst du, siehst du? Und jetzt lass uns verschwinden. Ist aber nicht viel drin. 17 Mark und ein paar Gequetschte.
01:24
Wieso 17 Mark? Neumann, hast du nicht gesagt, Pritzke geht nie vor dem 15. zur Bank? Das hat er mir gesagt.
01:30
Vielleicht läuft die Bude wirklich nicht mehr gut.
01:33
Wer sagt das? Ja, komm, Eddie.
01:35
Wir gehen nach Hause. Mutter weiß gar nicht, dass ich noch unterwegs bin. Küssel, will da nicht in den Zeitungen rum und komm.
01:41
Wer hat gesagt, die Bude läuft nicht rum?
01:43
Das weiß ich nicht mehr. Dieser und jener. Gerede eben.
01:48
Und wieso erfahre ich nichts davon? Eddie, jetzt komm endlich weg hier. Wie viel ist denn 17 durch 3?
01:54
Äh, 566.
02:12
Wie viel Bier kriegt man für 5,66? Küssel? Küssel, die ist seelenruhig. Als gehen wir gerade von einem Angelausflug. Macht ja nichts, ist ja nichts passiert. Verdammt, Gisela, macht mir die Hölle heiß, dass ich nicht löschen kann. So geht das nicht weiter.
02:29
Genau. Wir brauchen was Richtiges. Was mit Gewinn.
02:33
Ja, und zwar bald. Perfekte Recherche, klare Logistik, lückenlose Planung. Wir brauchen... Ich meine, was ich meine ist...
02:41
Das muss einfach mal was klappen.
02:43
Guck mal. Heizöl, billig durch den Winter. Service, Seite 26.
02:48
Wer hat denn Heizung? Woher ist die Zeitung überhaupt? Von Pritzke, vom Kommissionsstapel. 27. Dezember. 77. Der hat Zeitungen vom letzten Jahr in der Bude. Geschieht ihm recht, wenn er pleite geht, Pritzke. Wenn ich diesen Kiosk hätte, ich würde eine Goldgrube daraus machen, hier direkt hinterm Stadion. Erstmal, das Sortiment, den Bedarf anpassen. Mit Würstchen, Brötchen, allem drum und dran. Aber der ist doch einfach zu blöd. Charlie Chaplin ist tot.
03:15
Was? Stimmt, das war Weihnachten.
03:18
Wer soll das denn sein?
03:19
Charlie Chaplin, der aus dem Kino, der mit dem Brötchen getanzt hat. Du weißt schon, der kleine Schnauzer, Hut, Entengang. Der, der seinen Schuh gegessen hat. Ja. Der ist tot? Den haben wir noch letztens im Fernsehen gesehen. Mutter hat Tränen gelacht. Vielleicht das erste Mal, seit dein Vater sie hat sitzen lassen. Und du ja dann auch. Neumann, bitte. Ich habe sie nicht sitzen lassen. Ich bin ausgezogen, weil ich erwachsen bin. Das ist normal.
03:46
Dann gib mal die Zeitung, Herr Chaplin.
03:49
Ich weiß genau, was ich meine, Küsel. Mutter hat Jahre im Dunkeln gesessen, ist nur mit Sonnenbrille auf die Straße. Aber in diesem Film, da hat sie mal lachen können. Da war Licht in ihrer Finsternis.
04:01
Man ist kein Verbrecher, wenn man nicht zu Hause lebt.
04:04
Außerdem schicke ich ihr doch jeden Monat was.
04:06
Lächerlich, die paar Kröten. Seid ihr bald mal fertig? Hört mal.
04:11
Der weltberühmte Komiker Charles Spencer Chaplin verstarb am ersten Weihnachtstag, also vor zwei Monaten, im Alter von 88 Jahren friedlich in seiner Villa in der Schweiz. Er erlangte Weltruhm als Komiker, als Regisseur und Komponist in über 80 Filmen.
04:31
Nein, nein, nein, nicht bla bla bla, Edi. Der hat sich wirklich aus dem Nichts nach oben gearbeitet. Ich habe mal seine Biografie ausgeliehen.
04:40
Ach.
04:42
Bei den Frallen aus der Bezirksbücherei?
04:45
Wie hieß die noch? Wupper oder was?
04:48
Sie heißt Wiese. Eka-Wiese.
04:51
Genau, Wiese. So eine kleine, blutarme, blasse, nicht Mutterstyp. Keine, die mit anpackt. Die hält sich auch für was Besseres. Ja, und wenn sie es ist, sie hat sich jedenfalls sehr für Chaplin interessiert und hat mir das Buch empfohlen. Der war nämlich anfangs auch ein armer Schlucker und einen solchen hat es vor der Wiese in mir auch gesehen.
05:12
Ja, ja.
05:12
Die hat sich um mich gesorgt, von wegen was Besseres. So, so. Sie hat sich um dich gesorgt, die Gute. Hör auf zu lästern.
05:20
Gelesen habe ich in dieser Biografie, dass die Mutter von diesem Chaplin erst Sängerin war und hat ihre Stimme verloren. Dann mehreren und hat ihr Augenlicht verloren. Ist vom Armenhaus ins Ehrenhaus. Und der Vater war erst Trinker und dann weg. Das kennt man ja. Das ist doch ganz was anderes, Neumann. Die Söhne mussten ins Waisenhaus. Und Chaplin ist aus Not auf die Bühne. Und dann nach Amerika. Und da haben sie ihn dann...
05:45
Wen interessiert das jetzt alles...
05:48
Villa in der Schweiz. Habt ihr das nicht gehört? Doch. Der Mann war reich. Ein Weltstar. Sag ich ja. Und? Denk doch mal nach.
06:00
Da muss man erst mal drauf kommen.
06:02
Ja, was denn? Na, ausleihen. Was willst du ausleihen?
06:08
Nicht seine Biografie wie Küsel, nicht was, Neumann. Wen? Wir entführen den größten Komiker aller Zeiten.
06:17
Klar, Eddie. Nur sind wir spät dran. Der Mann ist tot.
06:21
Genau, der Mann ist tot.
06:24
Und was genau schwebt dir da vor? Nein.
06:27
Das Hauptproblem bei einer Entführung sind doch die Geiseln. Sie müssen A. versteckt werden, B. ständig essen. Außerdem jammern sie herum, versuchen abzuhauen und merken sich alles Mögliche. Ja, was soll das denn jetzt? Das Schlimmste sind aber C.
06:44
Die Angehörigen, die nicht zahlen können oder wollen. Da hat es Geschichten gegeben. Tragödien. Und dann stehst du da mit deiner Geisel und musst die wochenlang bekochen. Aber nicht mit meinem Plan.
06:55
Was für ein Plan, Eddie. Es gibt keinen Plan, es gibt keine Geisel. Herr Chaplin ist tot und begraben und das schon seit Weihnachten. Eben, eine stumme, eine tote Geisel. Besser geht es doch gar nicht. Und das Lösegeld, wie stellst du dir das vor? Sehr geehrte Frau Chaplin, hinterlegen Sie bitte eine Million in kleinen gebrauchten Scheinen, sonst werden Sie Ihren Mann nicht lebend wiedersehen.
07:30
»Ja, lacht nur, ihr Wackebunden. Lachen war mein Geschäft, an dem ihr Schlaumeier jetzt teilhaben wollt. Sehen Sie, es ist nicht so, dass ich das Problem nicht verstand. Mangelnde Recherche, miese Logistik, lückenhafte Planung, solche Typen kannte ich, solche Typen hatte ich erfunden. Aber für mich war Schluss damit.« Meine Filme waren gedreht, meine Kinder gezeugt, meine Ehen geschieden. Bis auf die letzte natürlich.
08:03
Ich hatte mir meine Ruhe wirklich verdient, mein trockenes Plätzchen mitten im Sumpf. Verstehen Sie? Aber wer nicht mehr im Geschäft ist, verliert schnell die Kontrolle. Ob tot oder lebendig, egal ob die Hose mit dem Schwanz wackelt. Das kann alles sehr traurig werden.
08:28
Mein Gott.
08:29
Lass den aus dem Spiel, Eddie. Das ist nicht lustig. Das ist unchristlich.
08:33
Was ist los mit euch? Charlie Chaplin war ein Star. Habt ihr eine Vorstellung? Wie viele Menschen zu solchen Grabstätten reisen? Tun das welche? Tausende. Das sind richtige organisierte Pilgerfahrten. Wisst ihr, was letzten Sommer am Grab von Elvis Presley los war? Ja, Elvis lebt ja auch. Und Chaplin ist tot. Er ist ein Millionengeschäft. Und so etwas ist in der Regel sehr lebendig. Wir sorgen damit für eine Art Auferstehung des Stöckchenmanns. Souvenirbuden, Restaurants, Hotelketten, fünf Sterne, wo man hinsieht, da steckt ein Vermögen drin.
09:07
Genau. Keine Leiche, kein Geschäft.
09:11
So ist es. Das wird sich die Familie eine Kleinigkeit kosten lassen.
09:15
Moment.
09:17
Ihr wollt einen Sarg klauen? Nicht klauen, Neumann. Entführen. Oder damit ist deine religiösen Gefühle nicht verstimmt. Ausleihen.
09:27
Und wir haben keinen Ärger mit der Unterbringung, keine Probleme mit dem Essen und unser Mann kann nicht mal abhauen. Du bist bekloppt, Eddie. Aber es könnte gehen. Natürlich könnte es gehen. Wir brauchen einen Transporter. Nur für zwei, drei Tage. Hinfahren, ausgraben, Geld abholen.
09:43
Vielleicht vier Tage mit der Rückfahrt.
09:45
Ihr seid beide bekloppt. Neumann, du besorgst den Transporter. Küsel, du kümmerst dich um unsere Ausrüstung. Schaufeln, hacken und so.
09:51
Genau.
09:52
Und denk an die Angeln. Das war immer unsere beste Tarnung.
09:55
Ich glaube, ich bin auch bekloppt. Und was machst du, Edi?
10:00
Lösegeldforderung, Logistik. Ich arbeite am Plan. Diesmal springt wirklich was dabei raus.
10:06
Das spüre ich.
10:12
Ja, ich spürte es auch schon. Und mein Gefühl täuschte mich selten.
10:19
Wissen Sie, sehr lange vor meiner Weltkarriere als der Tramp begann ich meine Laufbahn als Chase Chaplin. Ein Runaway und Gejagter, ein Spielball böser Scherze und Intrigen. Und je böser die Scherze, desto größer die Lacher beim Publikum.
10:35
Ein Hieb mit der Bratpfanne aus heiterem Himmel, ein Stolperer über eine sich böswillig aufstellende Teppichkante oder ein Tanz mit einer riesigen Matrone, die mir auf den Füßen stand und mir mit festem Griff den Atem nahm und die Leute bogen sich vor Lachen. Wer würde wohl dahin zurück wollen, zumal ich schon lange kein Kaugummi mehr an den Füßen hatte und mein Leben definitiv hinter mir.
11:14
Eddie, fass doch mal an. Hier ist alles rutschig und rutschig.
11:19
Wenn meine Mutter das wüsste. Sie ist auch meine Mutter, Neumann. Ja, ja, davon merkt man allerdings nicht viel. Der ganz der Herr Papa, der sich für was Besseres hält und der auszieht Bücher, ausleiht und genießt. Lass Gott aus dem Spiel, Eddie, das ist kein guter Zeitpunkt. Nein.
11:37
Was war das? Das war nichts. Wieso habe ich eigentlich die Schneeschippe? Wer hat sie denn mitgenommen? Aber jetzt, warte mal so.
11:48
Sieht wie ein Rabe aus. Runter, da kommt ein Wagen, verdammt.
11:53
Klingt fast wie dieser Amischlecken von Gane, von Wadas. Ach, das kann nicht sein. Die Vulkan?
12:02
Ja. Ja. Ja.
12:27
Neumann, ich verstehe dich nicht.
12:28
Das kannst du nicht vergessen haben, Eddie. Oder die Sache mit Tante Ruths Katze. Scheußlich. Oder wie sie Küß und Schuppen niedergebrannt haben, weil Garners Schwester ihm schöne Augen gemacht hat. Das mit Garners Schwester war etwas ganz anderes. Die waren doch immer niederträchtig und nie in der Kirche. Gottlose Geschöpfe, hat Mutter immer gesagt.
12:49
Neumann, willst du uns damit sagen, die Bulgaren stehen hier in der Schweiz in diesem Moment am Friedhofstor und wissen, was wir hier tun? Tja, du hast doch gesagt, ich soll einen Transporter besorgen.
13:01
Von den Bulgaren? Ich konnte doch nicht wissen, ich meine, ich habe ihnen nichts erzählt, gar nichts, das ist doch klar. Warum glaube ich dir nicht? Das war schon immer dein Problem, Eddie. Sie wissen nichts. Nein, nein, nein. Lediglich, dass wir zu tun haben, geschäftlich in der Schweiz. Geschäftlich, habe ich gesagt, Eddie.
13:24
Nur geschäftlich. Komm, wir hauen lieber ab. Nichts da, nicht ohne meinen Komiker. Diesmal lasse ich mir den Plan nicht kaputt machen. Los jetzt. Angepackt.
13:32
Und... Hey!
13:34
Hey!
13:54
So wurde ich also nach knapp zweimonatiger Abwesenheit wieder ins Rampenlicht gezerrt. Nicht, dass ich viel gesehen hätte. Es war ja Nacht in der Schweiz und ein Sarg um mich herum. Ich fühlte mich durchgeschüttelt und in keiner sehr guten Verfassung.
14:11
Es war mir wie in der Hütte am Abgrund, im Goldrausch. Anders gesagt, so schlimm war es mit meiner Leber noch nie. Es drehte sich alles, aber so ist es wohl. Wenn im Leben die Rolle vorwärts nicht mehr klappt, ist dafür im Tod auch wenig Gelegenheit, so etwas noch mal zu üben. Mir war einfach nur schlecht. Und wie es schien, war ich nicht der Einzige.
14:40
Nadine, wenn ich nicht gestört werden will, heißt das, Sie haben frei. Also verschwinden Sie endlich.
14:45
Aber Mademoiselle Geraldine, Sie sind so traurig und niemand ist bei Ihnen. Glauben Sie bitte nicht, ich wäre dem Glück näher, wenn Sie in meiner Nähe sind. Schlafen Sie gut.
14:55
Auch dafür werden Sie bezahlt. Und lassen Sie das Licht in der Halle an. Ich habe ein ungutes Gefühl. Mir dreht sich alles im Magen.
15:02
Sehen Sie, Mademoiselle, ich bleibe lieber hier.
15:06
Gute Nacht, Nadine.
15:09
Schlaffe, süß, der Himmel gebe das, bis dein Leben schließt, die Liebe lebe. Ich weck dich, falls mir was runterfällt!
15:35
In der vergangenen Nacht wurde der Leichnam des am 25. Dezember 1977 verstorbenen weltbekannten Filmemachers Charles Spencer Chaplin vom Friedhof in Vevey aus noch ungeklärten Gründen entwendet.
15:52
Nadine, drehen Sie das Radio lauter!
15:54
Bislang sind noch keinerlei Forderungen im Zusammenhang mit der Posthumenentführung eingegangen.
16:01
Über mögliche Täter gibt es nur Vermutungen. Das FBI hat der Schweizer Kantonspolizei in diesem Fall bereits seine Mitarbeit angeboten.
16:13
Neumann. Was? Hast du das gehört? Wieso sagen die im Radio, sie hätten keinen Brief? Was für einen Brief? Die Lösegeldforderung, Neumann. Wieso haben die keine Lösegeldforderung?
16:29
Der Rabe. Da hockt er wieder.
16:33
Mein Gott, Neumann, wo ist der Brief?
16:36
Zum letzten Mal. Lass Gott da raus, Eddie.
16:39
Der ist uns gefolgt vom Friedhof.
16:41
Das ist derselbe.
16:42
Du solltest den Brief am Grabstein hinterlegen.
16:45
Nein, nein, nein. Ich habe ein ganz komisches Gefühl. Der guckt so stach. Er hat es vergessen.
16:53
Wunderbar. Was hat man eigentlich von Recherche und Logistik und einem lückenlosen Plan?
16:58
Mutter sagte immer, Fehler sind wie Berge. Man steht auf dem Gipfel seiner eigenen und redet über die der anderen.
17:04
Es ist gut, Neumann. Wir ändern ihn. Wir ändern was?
17:07
Wir ändern den Plan. Flexible Anpassung an veränderte Situationen.
17:12
Du meinst Plan B? Ja. Genau, Plan B. Wir machen es telefonisch.
17:26
Genau. Jetzt sollte meine Familie direkt hineingezogen werden. Ich hätte ihr diese Art von Kontakt wirklich gerne erspart, das können Sie mir glauben. Aber in meiner Situation, auf knapp zwei Quadratmeter Eiche mit den prächtigen Silberbeschlägen außen dran, was hätte ich denn tun können? Es war kein Gartenzaun in der Nähe. Und wie gesagt, meine Beweglichkeit war auch physisch durch die Jahre stark eingeschränkt.
18:10
Ja, hier ist Monsieur Rocha. Sie haben es sicher schon bemerkt, wir haben Ihren Mann, Ihren Vater.
18:22
Ich weiß, dass Ihr Vater tot ist. Und wir haben seine... Nein, Mademoiselle, es handelt sich vielmehr um eine Entführung. Und wir, Monsieur Rochard, mehr brauchen Sie nicht zu wissen. Wir fordern die Summe von einer Million Franken. In kleinen gebrauchten Scheinen keine laufenden... Ja, genau.
18:47
Bitte, so weinen Sie doch nicht, bitte. Ja, Mademoiselle, natürlich geht es nicht irgendwie. Ja, natürlich, selbstverständlich kannte ich. Nein, ach so, nein, ich kannte Ihren Vater nicht aus dem Kino, ja. Ja, wo er mit den Brötchen tanzt, ja, wunderbar, ja, mit den Schuhriemen, ja, zweifellos. Nein, wir behandeln ihn selbst für eine Million, ganz recht.
19:15
Ach so, ja.
19:19
Ja, dann, ja, morgen, ja, in dieselbe Zeit, bitte, ich werde doch einer schönen Frau wie, nein, nein, nicht, aber ihre Stimme, sagt, ja, also, dann, also, Sie freuen sich, ja, ich freue mich, dass Sie sich, ja, ja,
19:45
Meine Tochter Geraldine, eine wunderbare Schauspielerin, diese Tränen, dieser entwaffnende Charme, das hätte ich kaum besser gekonnt. Gut, zu meiner Zeit hatte der Augenaufschlag eine andere Aura, denn er ersparte den Leuten den Mund aufzumachen. Die Gestik, die Mimik waren entscheidend. Das Telefonieren war mir selbst widerlich, denn es erinnerte mich immer irgendwie an den Tonfilmen.
20:13
Aber nun, es sind die modernen Zeiten und bei meinen Kindern habe ich stets Wert darauf gelegt, dass sie sich fortbilden und ihre Talente trainieren. Für alle Lebenslagen.
20:37
Ach, Vater. Du willst, du kannst einfach nicht aufhören. Hör endlich auf, komisch zu sein. Nadine! Mademoiselle?
20:49
Rufen Sie diesen Inspektor an und sagen Sie ihm, ich will ihn sprechen. Aber vorher gehen Sie ins Dorf und kaufen mir eine Flasche Cognac. Und weil Sie so ein langsames Mädchen sind, kaufen Sie besser gleich zwei.
20:59
Und benutzen Sie nicht immer dieses billige Parfum.
21:04
Aber Mademoiselle, Sie selbst haben... Ich kann nicht glauben, dass Sie so niveaulos sind. Ich wollte glauben, dass es möglich wäre, ganz zu durchbohren dieser Erde Boden.
21:16
Und durch die Öffnung zu den Antipoden zu senden des verwegenen Mondes groß.
21:22
Der hellen Mittagssonne zum Verdross.
21:25
Wie meinen?
21:26
Ich gehe dann zu Fuß.
21:38
Und? Wie ist es gelaufen?
21:40
Ausgezeichnet. Morgen rufe ich nochmal an, dann holen wir das Geld und dann lädt sie weg.
21:46
Sehr gut, Eddie. Weil der Sarg, weißt du, der Roch, jetzt stinkt er.
21:55
Wir haben Mr. Chaplin ein bisschen rausgestellt. Ihr habt was? Ihn gelüftet. Gleich da hinten bei den Steinen mit Tannengrün getankt. Küsel und ich mussten lachen. Das sieht jetzt irgendwie aus wie... Seid ihr verrückt?
22:12
Sofort wieder in den Bus damit. Die Bulgaren schleichen hier rum, das FBI, die Polizei und ihr lüftet Särge.
22:18
Eben, Eddie, das FBI. Und wir dachten, es sei nur Grabschändung. Aber Herr Chaplin ist ja ein Weltstar. Und wir damit im Moment die meistgesuchtesten. Also im Moment. Genau, und da dachten wir, je unauffälliger und normaler sich die Gejagten verhalten, umso ähnlicher werden sie den Jägern. Und damit unfassbar, habe ich gelesen.
22:39
Die Wuppe aus der Bücherei, hm? Wiese. Ilka-Wiese. Ich frage mich, wozu die vielen Bücher, wenn es an gesundem Menschenverstand mangelt? Unfassbar! Ja, natürlich.
22:51
Es war ja auch nicht zu erwarten, dass du einmal sagst, das war aber eine gute Idee. Ich verstehe euch den ganzen Tag, dieser Geruch.
22:59
Komik, wenn sie einem selbst widerfährt, ist oft nur schwer zu ertragen. Dieses Drehbuch war definitiv nicht von mir. So viel Dilettantismus, sträfliches Unvermögen. Oh Gott, das hier ist nicht komisch. Oder kann hier einer lachen?
23:17
Die Vulkan, runter!
23:23
Ja, das sage ich. Wir haben keine Zeit zum Lüften. Morgen teilen wir uns auf. Ich gehe telefonieren. Ihr besorgt was zu essen.
23:30
Ja, ich habe Hunger. Ich auch. Können wir die Andel nicht auch zum Andeln verwenden? Es sollte hier Sehen geben. Auf der Karte waren jedenfalls welche.
23:39
Wäre günstig gewesen, die Karte auch mitzunehmen. Kalt ist mir auch. Für die Nacht werden wir eine Wachablösung einrichten. Küsel übernimmt die erste Wache. Dann du, Neumann. Und was machst du? Ich muss mich auf morgen vorbereiten. Diesmal lasse ich mir die Beute nicht abjagen. Nicht wie bei dem polnischen Wodka.
23:54
Oder dem Gurkending. Oder dem Bruch per Brezke.
23:56
Schluss damit! Morgen ist es soweit.
24:03
Hallo! Hallo!
24:19
Hallo! Würden Sie das bitte etwas leiser drehen, Mademoiselle? Ich verstehe kein mögliches Wort.
24:27
Guten Morgen, Herr Inspektor.
24:33
Wohl eher guten Tag, Mademoiselle. Wissen Sie, ich liebe diese Musik.
24:37
Es ist schwer, etwas im Leben zu finden, das sich zu lieben lohnt.
24:41
Es ist nicht leicht.
24:42
Leben Sie Ihr Land, Inspektor?
24:44
Oh, ich liebe es, Mademoiselle. Aber es ist nicht das Paradies.
24:51
Bei weitem nicht. Nadine, stellen Sie dieses Gedudel ab und bringen Sie mir eine zweite Tasse Kaffee und eine für unseren Gast.
24:59
Ich danke sehr, Mademoiselle. Ich will Sie nicht lange aufhalten. Sie erzählten mir am Telefon, ich zitiere, diese Idioten würden sich ein gestohlenes Huhn von einem Kaninchen abjagen lassen, es müsste lediglich behaupten, es sei ein Fuchs. Sie erzählten mir ausserdem, ich könnte die Handschellen gleich mitbringen. Erklären Sie mir, wie Sie das meinen.
25:22
Was verstehen Sie nicht? Besitzen Sie keine Handschellen?
25:27
Fangen wir an mit diese Idioten. Wir nennen das auch in der Schweiz einen Plural. Er selbst spricht von mehreren. Er redet viel. Ein Profi. Weshalb die Handschellen?
25:38
Der Profi denkt, dass ich ihn mag.
25:42
Dass sie ihn mögen?
25:45
Dass ich ihn liebe.
25:48
Er will sie fesseln.
25:50
Nadine!
25:51
Entschuldigung. Ich habe geweint am Telefon. Wissen Sie, ich habe mich vergessen. Ich bin Amerikanerin und wir vergessen uns, wann es uns gefällt. Jedenfalls glaubt dieser Monsieur Ruscha, dass ich ihn mag. Was auch immer. Sagen Sie mir, was zu tun ist.
26:08
Wann wird er wieder anrufen?
26:09
In etwa zwei Stunden.
26:10
Das reicht für die Fangschaltung. Verführen Sie ihn zum Plaudern. Je länger, desto besser.
26:16
Und Sie?
26:17
Solange der Fall nicht geklärt ist, werde ich nicht von Ihrer Seite weichen.
26:21
Dann nehmen Sie besser noch Kaffee und essen Sie eine Kleinigkeit.
26:27
But never, no, never look down.
26:35
Endlich. Ich war wirklich froh, als dieser Kantonspolizist auftauchte. Obwohl Polizisten jeder Spielart in meinen Filmen nie eine gute Figur machten, aber sein handfestes Auftreten brachte hoffentlich Licht in das Dunkel meiner Odyssee im Sarg. Ich meine, dass ich dem FBI in Angelegenheiten meine Person betreffend wenig Vertrauen entgegenbrachte, ist wohl verständlich.
27:00
Aber...
27:01
Das gerade sind die alten Geschichten mit den alten Filmen. Dieser Film aber schien sich irgendwie selber zu drehen. Es war an der Zeit, dass mein Einfluss auf diesen Film jetzt größer würde. Musik
27:21
Ja, und jetzt links. Wo denn links? In allem Wäldchen vorbei. Siehst du sie noch? Im Moment nicht. Gut, hoffentlich haben sie Eddie nicht gesehen. Scheiß Bulgar. Scheiß Berge, auch nicht ein einziger See. Fahr mal da rüber, Neumann, da ist ein Laden. Ein Laden nützt nur dem, der Geld hat. Oder dem, der Glück hat. Siehst du das Schild im Schaufenster? Nicht genau.
27:45
Dann versuch's doch einmal mit einer Brille, Küsel.
27:49
Da steht Hilfe für Entrümpelung gesucht. Bitte im Geschäft bei Grießer melden. Das meinst du nicht ernst? Warum denn nicht? Je unauffälliger sich der Gejagte verhält, das ist deine Idee. Wir haben einen Transporter. Wir müssen in Bewegung bleiben. Wir haben Hunger. Entrümpeln können wir sowieso.
28:06
Ja, ja, ja. Los, komm. Und steck dein Hemd in die Hose.
28:17
Guten Morgen. Sie müssen Frau Grieser sein.
28:33
Ja, ich bin es. Ich sollte heute Mittag nochmal... Ja, du klingst auch viel besser. Ja, wegen dem Geld.
28:47
In einer Telefonzelle. Nein, allein. Also wegen der Übergabe. Nein, ich sagte doch, ich bin allein. Wir können ungestört... Ach, wer weiß, vielleicht ein Haus irgendwo an einem See. Nein, ich bin kein Spieler. Nein, auch kein Schauspieler. Ach, tatsächlich.
29:14
Ich? Am liebsten angeln. Natürlich tötet man den Fisch. Oh nein, kein Problem. Morgen um dieselbe Zeit? Bitte? Selbstverständlich esse ich die Fische. Roh. Niemals, für Teufel. Niemand isst rohen Fisch in Deutschland. Gut.
29:50
Als ob sie das nicht besser könnte. Mädchen, reden, bis diese Fangschaltung zuschnappt, wie lange sowas auch immer dauert. Frauen, verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe die Frauen geliebt und kann auch auf einige Erfahrungen zurückblicken. Doch in mir wuchs allmählich der Zweifel. Das war doch glatte Sabotage. Was fand sie jetzt an diesem Möchtegern-Gaumer? Essen Sie die Fische auch roh?
30:19
Obwohl er mir nicht unähnlich war. Er hatte diesen Charme, dieses gewisse, will sagen, unbeholfene Auftreten, das nach Fürsorge heischt. Aber für mich wurde die Sache schließlich auch anstrengend. Ich war nicht mehr der Jüngste und dieses ständige Rein und Raus und Hin und Her und ein Ende war nicht abzusehen.
30:46
Ja, ich bin's. Bitte?
30:50
Meine Mutter ist leider schon tot. Ja, viele Gemeinsamkeiten, nicht wahr? Selbstverständlich war ich bei Ihrer Beerdigung.
30:59
Nein, wieder eine Telefonzelle.
31:03
Na, wie die halt so aussehen, tja. Nein, mach dir keine Sorgen. Gut, dann ruf ich dich nachher an.
31:13
Das ist ja nicht zu fassen. Sie verstehen, was ich meine. Sie wurden immer unglaublicher, diese Telefonate. Es wurden 14 Anrufe in elf Tagen aus zwölf verschiedenen Telefonzellen geführt. Und nichts passierte. Musik
31:39
Aber gerne. Nadine! Sie müssen mir unbedingt mehr über diese Theorie erzählen. Shakespeare habe seine Werke gar nicht selbst geschrieben. Das ist ja schon fast Kriminalistik.
31:50
Im Gegenteil. Von mir abgesehen schienen sich alle blendend zu unterhalten.
31:56
Meine Tochter, wenn sie mit dem Gauner telefonierte oder mit dem Inspektor Zeit verplemperte. Dieser genoss, anstatt seinen Dienst zu tun, die Gespräche in unserem Wohnzimmer. Er ließ seine Fangschaltung Fangschaltung sein und tat nur das Nötigste. Bei Kaffee und Kuchen. Den Entführern kam das natürlich zu Pass, denn ihr Speditionsunternehmen lief mittlerweile recht ansehnlich.
32:30
Selbstverständlich, Frau Grieser. Ein weiterer Auftrag passt sehr gut. Das ist gar kein Problem. Bitte? Mandeltaschen? Aber sehr gern.
32:40
Und dieser ewige Kuchen. Im Rundfunk löste eine wilde Entführungstheorie die nächste ab.
32:48
Im Fall der posthumen Entführung von Charlie Chaplin konnten Vermutungen, dass es sich um die Tat einer rechtsextremen Gruppierung handelt, bislang nicht erhärtet werden.
32:57
Gestern Abend wurde gemeldet, dass FBI habe die Hilfe eines Mediums in Anspruch genommen, das nach einer eingehenden Seance zu dem Schluss gekommen sei, der verschwundene Leichnam Chaplins befände sich nicht mehr im Land, sondern in der Nähe einer mitteldeutschen Industriestadt.
33:14
»Es ging einfach immer so weiter. Mir kam das alles so vor, als hätte ich alle gedrehten Verfolgungsjagden von The Kid im Film belassen. Der Film wäre dadurch gut eine Stunde länger gewesen. Und ein eingeschlafenes Publikum ist streng genommen kein Publikum.« »Und, äh, was hat sie gesagt?«
33:36
Es ist eine kleine Verzögerung aufgetreten. Es ist auch eine Menge Geld. Aber ich denke, morgen ist es soweit. Ach, morgen. Jeden Tag.
33:46
Immer nur morgen. Zwei endlose Wochen lang.
33:53
Werden wir nie los. Wie die Schmeißfliegen sind hier und haben alle Zeit der Welt. Soll ich das Feuer wieder anmachen? Auf keinen Fall. Die Würste müssen noch warten.
34:03
Aber wir könnten eben mal den Kuchen anschneiden. Ja.
34:06
Na gut.
34:08
Für mich schien sich überhaupt niemand mehr zu interessieren. Ich war gefangen in einer Hölle. Aus Kuchen, blödsinnigen Gesprächen und der sinnlosen Suche nach entlegenen Telefonzellen, die ohnehin keiner kontrollierte. Es war demütigend.
34:26
Hier unten ist nur glücklich, wenn er reden kann, Vater. Also rede mit mir.
34:35
Du bist immer mein Sonnenschein. Alle anderen sind meiner Liebe doch nur in die Arme gelaufen. Dich, mein Liebes, habe ich mit diesen Armen auf die Welt geholt. Und jetzt gibt Daddy einen Gute-Nacht-Kuss. Niemand küsst wie Daddy. Und niemand liebt wie Daddy. Niemand macht besser Pfannkuchen. Und ich, Scherniedrige, mich schätzt mit den Wand der Vögeln, mit denen du beschlossen hast, übers Land zu fahren, als wolltest du mich verarschen.
35:05
Da hast du's, du Komiker! Du hätt' dich was!
35:10
Aber Kinder bleiben auch immer Kinder. Wer ist schuld, wenn Sie sich die Finger verbrennen? Daddy. Nach wem rufen Sie, wenn Sie sich gründlich verlaufen haben? Daddy. Sehen Sie, ich hatte 80 Filme gedreht, darunter auch manchen Welterfolg. Aber sicher ist keiner davon so idiotisch um sich selbst gekreist wie das hier. Ich weiß, wovon ich rede. Man braucht eine Wendung.
35:38
Mindestens eine. Ich hätte die Sache doch völlig anders aufgezogen. Zum Beispiel hier in der letzten Szene. Es ist Nacht. Die Grillen zirpen eine kleine Melodie. Ein leichter Wind raschelt. Die Entführer liegen im Tangengestrüpp. Kamera müsste in die Halbtotale fahren. Und dann...
36:00
Die schmeißfliegen sind die und haben alle Zeit der Welt. Du, Eddie, wir wollten... Du hast jetzt 21 Mal angerufen. Ja. Und Norman und ich, wir denken, ja.
36:12
Ah, ihr denkt, ja. Ja, das hat Mutter auch immer gesagt, wenn sie... Nein, nein, nein, genau das eben nicht. Das hatten wir schon. Die Szenerie müsste sich den Geboten der Dramaturgie unterordnen. Also nochmal, dieselbe Szene, die zweite Klappe und Action.
36:31
Wie die Schmeißfliegen sind die und haben alle Zeit der Welt.
36:34
Du, Eddie, um wie viel Uhr willst du morgen anrufen? Ich rufe am Vormittag schnell durch.
36:40
Wieso?
36:41
Weil Neumann und ich morgen noch einen kleinen Job haben. Nichts Besonderes, nur einen Wachboden entrümpeln.
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Entrümpeln? Sind wir jetzt eine Entrümpelungsfirma?
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Nicht so laut, Eddie.
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Es wäre schön. Eine Firma und ehrliche Arbeit.
36:54
Ehrliche Arbeit? Seid ihr bekloppt? Was heißt denn trümpeln?
36:57
Nein, Dachboden leer, Ron. Morgen sind ein paar größere Sachen dabei und da dachten wir, wenn du Mr. Chaplin... Auf keinen Fall.
37:04
Ich habe keine Zeit für eure ehrliche Arbeit. Ich habe einen Plan.
37:08
Aber die Salami hat dir geschmeckt.
37:09
Was hat die Salami damit zu tun?
37:10
Die Zahlen wirklich nicht schlecht hier.
37:12
»Bin ich froh, dass uns Herr Chaplin nicht hören kann. Der würde aufstehen und gehen. Und ich würde ihn ziehen lassen.« »Ja, das würde er.
37:21
Aber schnitt und weiter, weiter, weiter jetzt.« Ein Kameraschwenk über eine Mülldeponie. Der Platz ist abgelegen und von düsterem Gebüsch umgeben.
37:33
Im Schutze der hereinbrechenden Dunkelheit sind die Entführer dabei, ein altes Pianola umständlich zu entladen. Die erste Klappe. Und bitte. Ein Pianola. Richtig ab, Eddie.
37:50
Wie er, Frau Gräser. Gerne, Frau Gräser. Die paar kleine Karten. Das nennt ihr ehrliche Arbeit. Ausbeutung nenne ich das. Und Mr. Chaplin auf der Mülldeponie.
38:02
Nun ja, zugunsten des Verlaufs ging es jetzt eben nicht anders. Und in irgendwelchen abwegigen Müllhaufen habe ich oft genug gedreht, auch wenn die schön sauber im Studio aufgebaut waren.
38:14
Es ging halt jetzt nicht anders. Mach dir keine Sorgen, er wird nicht weggegangen sein. Und wenn die Bulgaren ihm Beine gemacht haben? Die haben wir abgehängt. Und wenn ihn jemand anders findet? Wir sind ja nicht in Amerika. In der Schweiz wühlt man nicht im Müll. Du hast doch diesen Antikspeicher gesehen. Solche Sachen wünscht man sich bei uns zu Weihnachten.
38:32
Ich glaube, das ist das Intelligenteste, das ich je von dir gehört habe.
38:36
Danke. Was soll das denn jetzt?
38:37
Also reden wir oder arbeiten wir? Ich kann das Ding nicht mehr halten.
38:41
Warte, Neumann.
38:44
Vorsicht!
38:46
Au!
38:47
Du bist ein Idiot wegen diesem blöden Raben.
38:51
Alles in Ordnung? Komm, sing was? Ich kann nicht singen, das weißt du ganz genau. Wenn ich singe, kann es passieren, dass mein Kehlkopf anschwillt, weil ich als Kehl zweimal Mund hatte. Ja? Scheißrabe. Ich will nach Hause. Es ist in Ordnung, Eddie.
39:06
Was ist das?
39:08
Wie soll ich das sehen?
39:09
Hier. Hier ist was drin. In diesem Klimperkasten. Gib mal die Taschenlampe. Die wolltest du doch mitnehmen. Komm, zeig mal her. Das ist Geld. Das sind Franken. Unheimlich viele, würde ich sagen. Wo? Wieso Franken?
39:25
Wer sollte Geld auf die Deponie schmeißen?
39:27
Vielleicht eine geizige alte Tante, die ihre Ersparnisse versteckt und dann vergessen hat. Das sieht den Schwalzern ähnlich. Also Mutter würde ich sagen.
39:35
Ja, Mutter. Es ist euch jetzt egal.
39:37
Los, pack die Franken und Mr. Chaplin und dann weg hier. Ja, vielleicht ist die Tante ja auch nur gestorben, bevor sie ihrem Lieblingsneffen sagen konnte, wo die Mäuse...
39:45
Na also, eine Wende, eine Ausblende und Nebenhandlung. Zur gleichen Zeit Abendstimmung im Wohnzimmer von Manoir de Bain. Der Inspektor trägt ein brandneues Jackett. Er wendet sich seiner kränkelnden Gastgeberin zu. Ein prasselndes Kaminfeuer, ein erlesener Tee wird serviert und...
40:09
Nehmen Sie wenigstens ein Stück Blaubeerkuchen, Herr Inspektor. Mademoiselle hat seit Tagen keinen Appetit mehr.
40:15
Ich wäre ein Narr, Nadine, würde ich Ihren Blaubeerkuchen ablehnen.
40:20
Jawohl, Herr Inspektor. Ich meine, wie Sie wünschen, Herr Inspektor. Danke, Nadine.
40:26
Mademoiselle, Sie sehen wirklich erschöpft aus.
40:30
Nehmen Sie eine Tasse Tee?
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Gern. Ich bewundere Ihre Haltung. Sie spielen Ihre Rolle ganz fantastisch, nur wie lange können Sie das noch durchstehen?
40:41
Herr Inspektor, trauen Sie mir nicht zu, dass ich weiss, was ich tue?
40:46
Sagen wir so. Es wäre mir eine ausserordentliche Ehre, Ihnen behilflich sein zu dürfen. Sagen wir, als Freund? Nein.
40:55
Behilflich, Herr Inspektor?
40:57
Ja, einer grossen Dame eine kleine Hilfe. Bei einer, sagen wir, grossen und belastenden Aufgabe. Vertrauen Sie mir. Ah.
41:10
»Sie sehen, es ist ganz einfach. Jetzt eine Überblende.« »Frühes Morgengrauen.« Die ersten Vögel zwitschern ihr Lied. Der Transporter steht auf einer entlegenen Lichtung in einem Waldstück. Die Scheiben sind beschlagen. Die Kamera fährt aus der Totalen langsam auf die Frontscheibe zu und erfasst drinnen die jubelnden Entführer.« Und ab.
41:34
Wie viel Küssel? Wie viel ist es? Warte doch. 380.000. 2.000.
41:41
Ein Häuschen für Mama. Mit Garten. Du bist doch dabei, Küsel.
41:45
Ja, der Thuman kann seine Spiele alle dicht machen. Ich baue ein Casino. Im südländischen Stil mit Palmen und Mixgetränken und allem. Er würde es ihm nie wieder trauen, die Gisela anzurufen.
41:56
Immer noch. Ich meine, seit du die Gipsbeine hattest, das ist doch...
41:59
Da ist nichts.
42:01
410.000. Palmen und Mixgetränke. Das soll die Zukunft sein? 420.000 und ein Sarg. Ja.
42:10
Wir können ihn nicht einfach hier abstellen, oder? Neumann.
42:13
Und wenn wir ihn eingraben? Neumann, das FBI ist hinter uns her. Die Burgan, die Polizei. Hier kommen wir nicht einfach so raus. Das ist typisch, typisch ein toller Plan, Eddie. Kommen wir wieder ohne Geld nach Hause oder diesmal mit Geld hinter Gittel? Cut.
42:29
Die Sackgasse, das scheint im Leben nicht anders als im Film zu sein. Das beste Mittel, Verfolger loszuwerden, war immer schon einfach anzuhalten, stehen zu bleiben oder seinen Verfolgern sogar entgegenzugehen. Man dreht die Situation um und bestimmt von nun an das Tempo. Okay, ich hab's. Ich werde Sie anrufen.
42:51
Eddie! Nein, ich werde ihr alles erklären. Du wirst schon sehen. Los, Tempo. Okay.
42:58
Harter Schnitt. Der Transporter fährt auf die Kamera zu. Einer steigt aus und geht auf die einsame Telefonzelle am Rande der wenig befahrenen Landstraße zu. Leichter Nebel zieht über den Asphalt. Feuchter Kies knirscht unter seinen Schuhen. Zögernd öffnet er die Glastür.
43:21
Großaufnahme?
43:22
Er wählt entschlossen...
43:32
Hier bei Chaplin.
43:33
Mademoiselle Chaplin, bitte, Sie erwarten meinen Anruf.
43:35
So, denken Sie.
43:37
Hören Sie zu, wer immer Sie sind.
43:38
Nein, Sie hören zu, und zwar mir und jetzt.
43:40
Wer sind Sie, hä?
43:41
Fuchs. Nennen Sie mich Fuchs. Herr Fuchs, Mademoiselle... Mademoiselle ist unerreichbar. Ich verstehe nicht. Sie verstehen sehr gut.
43:49
Herr Fuchs, es ist wichtig...
43:53
Ich bin entscheidungsbefugt und ganz ohr.
43:55
Na schön. Wir bringen den Sarg zurück.
43:59
Ja.
43:59
Wir verzichten auf das Wegegeld. Ja. Und dafür gewähren Sie uns freie Heimfahrt. Sind wir im Geschäft?
44:04
Nein. So einfach ist das leider nicht mehr, Herr Roscha.
44:08
Sie wissen...
44:10
Der Fall hat sich zu einer internationalen Angelegenheit entwickelt, wie Ihnen sicher nicht entgangen ist. Ich habe einen Ruf zu verlieren und da ist es nicht gut, wenn der Jäger ohne Beute bleibt. Sie verstehen, was ich meine. Der Jäger. Die Kantonspolizei.
44:25
Dann würde der Jäger zum Gejagten.
44:27
Nur kaum.
44:29
Sie brauchen einen Schuldigen? Ja. Dann brauche ich einen See und freie Hand bis Mitternacht.
44:35
Sie haben Glück, Monsieur Rochard. Das entspricht in etwa auch meiner Zeitplanung. Und wie geht es dann weiter?
44:42
Das werde ich Ihnen dann erklären.
44:44
Also gut. Ein See ist nun wirklich kein Problem in der Schweiz. Sie nehmen die Straße vom Friedhof in Vevey, den Sie ja bereits gut kennen, in Richtung Montreux. Das ist ausgeschildert. Bei Kilometerstein 74 biegen Sie nach links ein und folgen circa zwei Kilometer der Bergstraße.
45:02
Und raus! Und Überblende auf den fahrenden Transporter.
45:06
Am Ende der Ortschaft circa 200 Meter geradeaus. Ja. Dann rechts. Rechts! Rechts!
45:13
Und hinter der Böschung da vorne scharf links abbiegen.
45:18
Da ist er.
45:19
So ist es gut. Und die Kamera schwenkt auf das Portal der Villa. Es ist ein besonders lauer Frühlingsabend. Der Nebel hat sich aufgelöst. Vögel zwitschern allüberall. Schwenk auf die Hausangestellte, die sich hinter dem Fenster des Wohnzimmers postiert hat und nervös die Auffahrt beobachtet. Es ertönt eine Polizeisirene.
45:44
Mademoiselle, Der Herr Inspektor. Und, wie sehe ich aus? Mir fehlen die Worte. Dieses Kleid. Sie haben es seit einer Ewigkeit nicht mehr getragen. Lassen wir das.
45:58
Jetzt holen Sie mal Ihren Blaubeerkuchen und den Kaffee und dann haben Sie für heute frei.
46:02
Der Herr Inspektor und ich, wir gehen ins Theater. Sie haben mir gar nichts gesagt. Was sehen Sie sich an? Aber das ist doch ganz egal, Nadine.
46:12
Wir gehen ins Theater.
46:15
Ja, und was dem einen die Bretter sind, die die Welt bedeuten, ist für die anderen ein Angelsteg. Panoramafahrt über das nächtliche Ufer des Genfer Sees. Entfernte Lichter glitzern auf der Wasseroberfläche. Es plätschert in schweizerischer Geruhsamkeit.
46:36
Zum Konzert der Frösche zirrten Grillen im Dreivierteltakt. Halbtotale. Drei Angelruten dümpeln im Wasser. Die Entführer am Ufer. Ich auf der Ladefläche des Transporters. Und Showdown.
46:57
Wo sind die Würmerküsel? Hier in der Tasche.
47:00
Und die Taschenlampe?
47:03
Ja. Ich möchte wissen, was ihr die ganze Zeit zu tuschen habt, Eddie. Und angehen will ich jetzt auch nicht mehr. Das ist kein guter Zeitpunkt. Es ist der beste Zeitpunkt. Der wahre Jäger kennt sowieso keine Zeit.
47:19
Genau. Ich hatte schon fast vergessen, wie schön so eine Nacht an einem See sein kann. Seht ihr die Lichter? Da drüben muss eine Stadt sein. Ja, Lichter der Großstadt.
47:31
Es freut mich wirklich, euch bei so glänzender Laune zu sehen. Auch wenn ich keinen Grund dafür sehe.
47:43
habe. Es gibt keinen. Die Bulgan. Los, wir verschwinden. Na endlich.
47:48
Neumann, du bleibst sitzen.
47:50
Küssel, es geht los. Was geht los? Wo geht Küssel hin? Mach dir keine Sorgen, Neumann. Es ist alles unter Kontrolle. Ich hatte eine Frage gestellt, Eddie.
48:00
Neumann, die Gejagten müssen zu Jägern werden, damit der Fuchs seine Beute bekommt. Verstehst du? Nein.
48:08
Man muss dem Feind entgegen gehen. Nein, verstehe ich nicht. Manchmal muss man Pläne ändern, manchmal auch zweimal, dreimal. Wieso geht Küssel mit den Bulgaren? Das versuche ich dir doch die ganze... Es ist ganz einfach. Die Bulgaren wollen unseren Plan. Die Polizei will Entführer verhaften und wir wollen nach Hause, richtig? Soweit richtig, ja. Guck, bei dir hat sogar einer angebissen. Ich verstehe nicht. Was gibt es da zu verstehen, Neumann? Hol ihn raus, gib ihm Leine.
48:39
Langsam, langsam.
48:40
Ja, ich... Vorsicht. Ja. Ordentlicher Brecher.
48:47
Eddie, der Transporter, die Bulgan, Eddie, Mr. Chaplin.
48:51
Das ist ein Prachtkerl, ein richtig dicker Fisch, den nehmen wir mit nach Hause. Nach Hause? Oder möchtest du noch bleiben? Auf keinen Fall. Nun pack zusammen, all unsere Probleme sind davon gefahren.
49:02
Ach. Weshalb muss er bloß immer die Sirene einschalten, wenn er uns verlässt? Nadine, er ist Polizist. Er ist ein Mann. Es macht ihm Freude. Ah...
49:28
An dieser Stelle vielleicht eine meiner Kompositionen, etwas Leichtes, Schwebendes. In der Villa gehen die Lichter an. Sie bleibt vor dem geöffneten Portal stehen und schaut dem Wagen nach, der langsam, fast tänzelnd, Champagner!
50:09
Also, was ist falsch an der Schnelle Eddie?
50:11
Nein, nein, nein. Es klingt eben nicht seriös. Spedition 9. Das ist seriös, ja. Da haben die Kunden Vertrauen und das braucht eine junge Speditionsfirma.
50:22
Das ist doch langweilig. Wenn ich etwas zu transportieren hätte, dann würde ich mir eine Firma so... Also, der Schnelle Eddie, finde ich, das hat doch dieses...
50:31
Hier, hier steht's. Sie haben die Bulgaren. Der Inspektor der Kantonspolizei konnte sie gestern den Behörden übergeben.
50:39
Ja, sicher.
50:40
Also, was sagst du, Küsel? Küsel! Was? Das ist wieder typisch. Wir suchen einen Schriftzug für unsere Spedition, einen Namen und du... Warte mal. Oh nein. Und hier. Ihr ahnt nicht, wer gestorben ist. Wer denn? Sag mal hier, wer ein berühmtes? Eddie! Was denn? Was denn?
51:02
Klappe, Ende, aus.
51:24
Charlies Himmelfahrt. Kriminalhörspiel von Sabine Bohnen und Bernd Breitbach.
51:31
Es sprachen Charlie Chaplin, Jürgen Thormann. In weiteren Rollen Gottfried Breitfuß, Donata Höfer, Waldemar Kobus, Ernst Konarek, Linda Olsanski, Stefan Witschi, Michael Speer und Rudolf Guckelsberger. Schnitt, Renate Tiffert. Ton, Christiane Schneckenburger. Regieassistenz, Beate Meyer. Regie, Wolfgang Rindfleisch. Wir danken Sir Charles Spencer Chaplin für die Musik.
52:06
Produktion Deutschlandradio Kultur 2005